Kitzbüheler Alpen: Bei dem Skiabenteuer zwischen Itter im Tiroler Unterland und Mittersill im Salzburger Pinzgau steht man den ganzen Tag auf den Brettern, ohne auch nur einen Pistenmeter mehrfach zu befahren
Quer durch die Kitzbüheler Alpen führt die längste Pistentour Österreichs. Zwei Bundesländer, drei Regierungsbezirke, die Skigebiete von sieben Gemeinden und rund 35 Kilometer Piste liegen auf der Route von Itter im Tiroler Unterland nach Mittersill im Salzburger Pinzgau. Über Superlative von Skigebieten kann man heute sicherlich kontrovers diskutieren. Ob Prädikate wie die höchste Aussichtsplattform, die meisten Après-Ski-Bars oder die längste Nachtskipiste im Skiurlaub wirklich notwendig sind, bleibt jedem Urlauber selbst überlassen. Doch die längste Pistenstafette Österreichs zu befahren und dabei den ganzen Tag auf den Brettern zu stehen, ohne auch nur einen einzigen Pistenmeter doppelt befahren zu müssen, dieser Superlativ klang so verlockend, dass wir nur noch auf den ersten Schneefall der Saison warteten, um uns auf den Weg zu machen in die Bergwelt der Kitzbüheler Alpen.
Es ist halb zehn in der Früh, als wir mit Ski auf den Schultern die Treppe der Salvistabahn in Itter hinauf steigen, wo für uns der Einstieg in die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental beginnt. Als die Skibindungen mit dem vertrauten ,,Klack-Klack" an der Bergstation Kraftalm schließen, nehmen wir sogleich Kurs auf das Skigebiet des Nachbarortes Söll. Erst einmal einige kurze Schwünge zum warm werden, dann läuft es schon wesentlich besser. Nur zwei Abfahrten später erreichen wir Hoch-Söll. Weiter geht es nun entweder mit dem Keat-Sessellift als Direktverbindung ins Skigebiet von Brixen im Thale oder aber mit einem kleinen Abstecher auf den 1829 Meter Hohen Gipfel der Hohen Salve. Da die ,,Salve" zu den schönsten Aussichtsbergen Tirols zählt, lassen wir uns diesen minimalen Umweg nicht nehmen.
Das Panorama auf die Skiwelt, das Inntal und den in der Morgensonne schimmernden Wilden Kaiser ist in der Tat imposant. Unsere Blicke richten sich gen Süd-Südost. Zum ersten Mal können wir unser heutiges Ziel grob erahnen. Die Felsgipfel des Großen Rettensteins zeichnen sich markant am Horizont ab. Schräg links dahinter bilden wir uns ein, den Kamm zwischen Resterhöhe und Zweitausender zu erkennen, die letzten Zipfel des Kitzbüheler Skigebietes. Zunächst geht es aber die schwarze Südabfahrt hinunter nach Hochbrixen und weiter durch die Skiwelt auf den Zinsberg. Weniger versierte Skifahrer sollten den Salvengipfel lieber via Keatsessellift umfahren. Auf der ersten Talabfahrt des Tages legen wir 870 Höhenmeter zurück und gelangen somit nach Brixen. Durch die im Jahre 2008 errichtete Skiweltbahn ist die direkte Verbindung zwischen der Skiwelt und dem Skigebiet Westendorf, das sich von der Choralpe über Fleiding und Gampenkogel bis ins Kirchberger Spertental erstreckt, geschaffen worden. Die weiten Hänge, die sich insbesondere unter Freeridern größter Beliebtheit erfreuen, lassen wir heute links liegen, denn unser Weg ist noch weit und wir wollen unbedingt heute Nachmittag die Grenze ins Salzburger Land passieren.
Die Ki-West Bahn müssen wir heute nicht nehmen, wohl jedoch die dazugehörige Abfahrt, die wir mit Höchstgeschwindigkeit hinunter düsen. 3556 Höhenmeter haben wir inzwischen auf den Pisten der Skiwelt und in Westendorf zurück gelegt. Am Fuße der Ki-West befindet sich die einzige kleine Lücke auf der gesamten Tour, die dank eines Pendelbusses in einer dreiminütigen Fahrt zum Gasthof „Skirast" überbrückt wird. Inzwischen ist es halb eins. Drei Stunden sind wir nun unterwegs, unser Zeitplan scheint aufzugehen. Während die meisten Skifahrer die Sonne auf den Terrassen der zahlreichen Hütten genießen, nutzen wir die verhältnismäßig leeren Mittagspisten, um zügig voran zu kommen.
Die Pengelstein-Bahnen 1 und 2 bringen uns sicher auf den gleichnamigen Kamm. Nun sind wir mittendrin im weithin berühmt berüchtigten Kitzbüheler Skizirkus. Vom Glamour der Stadt ist hier oben wenig zu spüren. Auf den Pisten steht ganz klar der Skisport im Vordergrund. Am Horizont glänzen die Gletscher der Hohen Tauern, und die Spitze des Kitzsteinhorns funkelt in der Sonne. Die 3S-Gondel verbindet den Pengelstein mit der Wurzhöhe, dem Jochberger Hausberg. Der Name 3S verweist auf die Dreiseiltechnik dank derer der Saukasergraben in einer Höhe von vierhundert Metern überquert werden kann. Die Hänge von der Wurzhöhe in den Aubachgraben stellen keine größeren Schwierigkeiten dar. Auf breiten Pisten carven wir in den Aubachgraben und freuen uns während der Auffahrt im Bärenbadkogel-Sessellift auf die Mittagspause in der Bärenbadalm. Unter dem Motto „echt guat" werden auf der Sonnenterrasse und in den zwei Jägerstuben Tiroler Spezialitäten serviert.
Nur der Trattenbachgraben trennt uns nun noch von der Landesgrenze und von der Resterhöhe, von wo aus die finale Abfahrt in Richtung Mittersill abzweigt. Ganz so direkt geht es dann aber doch nicht, denn der Trattenbachgraben muss weitestgehend umfahren werden. Entlang des Gauxjoch-Schlepplifts cruisen wir nun auf den kleinen Rettenstein zu. Der Gauxjoch-Lift ist der einzige Schlepplift der gesamten Tour, alle anderen Anlagen sind Gondeln und Sessellifte, fast ausschließlich auf dem neuesten Stand der Technik.
Eine der wenigen Aufstiegshilfen, in denen Skifahrer in Kitzbühel noch an die Romantik vergangener Zeiten erinnert werden, ist der Zweitausender-Doppelsessel. Doch mit so vielen Kilometern in den Beinen, haben wir gegen diese kurze Erholungsphase nichts einzuwenden. Während Variantenfahrer rechts des Liftes die ersten Pulverschneeschwünge in den Hang ziehen, eröffnet sich uns die freie Sicht ins obere Pinzgau. Tief unter uns glitzert das Wasser der Salzach. Über Hanglalmbahn und Resterkogelbahn gelangen wir auf den letzten Gipfel unserer Tour. Die Landesgrenze ist nun erreicht. Auf Piste Nummer 77 setzen wir unsere finalen Kurven auf Salzburger Landesgebiet in den Schnee. Erfreut über den erlebnisreichen Skitag steigen wir am Gasthof ,,Breitmoos" in den Skibus und strecken die Beine weit von uns. Während der gut neunzigminütigen Rückfahrt wird uns erst so richtig bewusst, welche Strecke wir zurückgelegt haben. 14 Abfahrten und 5779 Höhenmeter - eine Leistung, auf die man schon ein wenig stolz sein kann.