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Die Orte der Kitzbüheler Alpen haben nicht nur eine lange Tradition, sie pflegen diese auch. Wer sich genug Zeit nimmt, die historischen Bauwerke in Kitzbühel, St. Johann in Tirol, Westendorf oder Hopfgarten genauer zu betrachten, wird mit einer spannenden Reise belohnt, die in Details viel über den Lebensalltag der Bevölkerung erzählt. Bergwerke und Almen, Bauernhöfe und Pfarrkirchen, Hotels und Rathäuser: Sie alle sind Zeugnis der spannenden Geschichte der Kitzbüheler Alpen.
Tradition trifft Moderne
Vielerorts verbindet sich in den Kitzbüheler Alpen alte Bausubstanz mit Elementen zeitgenössischer Architektur. Bestes Beispiel ist das Materialkonzept, welches die Architektin Elsa Prochazka für die Innenausstattung des
Heimatmuseums Kitzbühel entworfen hat. Mit Eisen und Holz, emailliertem Glas und Eternit verlieh sie dem ehemaligen Getreidekasten, einem der historisch bedeutendsten Gebäude der Stadt, ein modernes Gesicht, das mit den ausgestellten Exponaten und der ursprünglichen Architektur wunderbar harmoniert. Aber nicht nur öffentliche Gebäude, sondern auch zahlreiche Privatwohnsitze der Kitzbüheler Alpen präsentieren sich im spannungsvollen Kontrast von traditionell-uriger Bauweise und moderner Innenarchitektur, von Tiroler Außenansichten und internationalem Inventar – im doppelten Sinne. Denn paradoxer Weise tragen gerade die rund 7.900 Zweitwohnbesitzer mit ihren Investitionen in die Revitalisierung alter Bauernhöfe und mit Neubauten im authentischen Tiroler Stil zum Erhalt der regionalen Bauweise in den Kitzbüheler Alpen bei.
Europas schönstes Blumendorf und prachtvolle Bauernhöfe
Dass Westendorf 1998 von der „Entente Florale“ zum schönsten Blumendorf Europas gewählt wurde, liegt vor allem am malerischen Ortskern und der immer noch lebendigen Landwirtschaft. Dass die Bevölkerung in den Kitzbüheler Alpen ihren Wurzeln treu geblieben ist, davon zeugen die vielen prachtvollen Bauernhöfe in den Kitzbüheler Alpen. So auch das mit Rokokomalereien verzierte
Schwarzinger-Haus in St. Johann in Tirol. Das im 17. Jahrhundert inmitten der Marktgemeinde errichtete Bauernhaus lädt seit seiner aufwändigen Renovierung vor wenigen Jahren Urlaubsgäste zur Übernachtung im historischen Ambiente ein. Die Zimmer sind entweder mit Bauernmöbel beziehungsweise im Biedermeierstil eingerichtet. Die Räume lassen keinerlei Komfort vermissen und bieten trotzdem authentische Einblicke in das bäuerliche Leben des 18. und 19. Jahrhunderts.
Bierbrauen in alten Zeiten
Der Name von Hopfgarten, einer der ältesten Marktgemeinden Tirols, geht auf den für das Bierbrauen so wichtigen Hopfenanbau zurück. Die Gasthäuser
Ober- und Unterbräu sind noch heute Zeitzeugen dieser mittelalterlichen Geschichte. Der alte Markt mit seinem malerischen Ortskern wird überragt von der
Pfarrkirche zu den hl. Jakobus und Leonhard. Die die größte Kirche in den Kitzbüheler Alpen gehört zu den schönsten Barockkirchen Tirols und wird mit berechtigtem Stolz „Dom des Brixentals“ genannt. Ebenso ranken sich zahlreiche Sagen über Burgfräulein und Grafen um die Engelsburg in Hopfgarten und das Itterer Schloss.
Fromme Leut´
Zahlreiche Pilger und Ausflugsgäste besuchen jedes Jahr die bekannte
Wallfahrtskirche Mariastein, die sich malerisch auf einer 12 Meter hohen, steil abfallenden Felsnase erhebt. Der einstige Wehrturm, ein 42 Meter hoher Bergfried, wurde um 1360 vom Geschlecht der Freundsberger errichtet und diente ehemals der Sicherung der alten Römerstraße. Unweit von Mariastein glänzt die
höchstgelegene Wallfahrtskirche Österreichs auf dem Gipfel der
Hohen
Salve. Der frühbarocke Altar sowie ein Altarblatt mit der Taufe Jesu stammen aus dem Jahre 1666. Noch heute werden dort Messen und Taufen abgehalten.
Bergbauten und Besucherströme
Mit dem aufkeimenden Wintersport Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhren die Kitzbüheler Alpen einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Mit den Gästen und Prominenten kamen auch namhafte Architekten, die exklusive Hotels wie das
Grand Hotel in Kitzbühel oder schmucke Eigenheime errichteten. Der Loos-Schüler Helmut Camillo Wagner-Freynsheim war einer von ihnen. In Kitzbühel entwickelte er mit seinen Flachdach-Holzbauten eine neue Art der „Tiroler Architektur“. Alfons Walde, der als Maler weit über die Region hinaus Berühmtheit erlangt hat, plante als Architekt die
Stationsgebäude der alten Hahnenkammbahn und wirkte am Bau von Schulen und Hotels mit. Er erstellte auch das Farbkonzept, das die Kitzbüheler Altstadt heute so unverwechselbar macht. Lois Welzenbacher erbaute 1928 das berühmte
Tanzcafe Reisch. Dem Architekten Clemens Holzmeister verdankt die charmante Gamsstadt eines ihrer bedeutendsten Bauten. Das 1930 erbaute
Berghaus Holzmeister am Hahnenkamm wurde 1994 mitsamt der originalen Inneneinrichtung unter Denkmalschutz gestellt, weil es traditionelle Bauweise, funktionale Raumplanung und Naturnähe in sich eint. Um eine gelungene Verbindung von Landschaft und innovativer Technik ging es auch den Kitzbüheler Alpen Bergbahnen. Der Bergbahn Kitzbühel gelang vor fünf Jahren ein architektonisch-technischer Coup: Seit der Wintersaison 2004/05 ist die spektakulärste
Drei-Seil-Umlaufbahn der Welt mit einem Bodenabstand von bis zu 400 Metern in Betrieb. Welche Stationen die über hundertjährige Geschichte des Skilaufs und des Liftbaus bis dahin durchlaufen hat, zeigt ein
Museum an der Bergstation der Hahnenkammbahn auf 1.700 Metern Höhe.
Besucher sollten sich also viel Zeit nehmen, um die vielen interessanten und geschichtsträchtigen Gebäude mit der nötigen Aufmerksamkeit zu betrachten. Um die schmucken Kirchen und prachtvollen Bauernhöfe, die malerischen Ortskerne und die mondäne Altstadt von Kitzbühel in Augenschein zu nehmen. Dann werden sie erkennen, wie viele Gesichter diese Region hat. Und mit welchem Stolz sich jedes einzelne von ihnen präsentiert. |